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Card-Sharing und die Folgen

Als Gutachter in einem Gerichtsverfahren zu Card-Sharing bekam ich interessante Einblicke in dieses dubiose Geschäft. Vier (zum Tatbeginn) Jugendliche wurden angeklagt gemeinschaftlich einen professionellen Card-Sharing und Streamingdienst betrieben zu haben.

Kurz zur Geschichte: die vier Jugendlichen haben ein Portal betrieben und gegen Zahlung jeweils „Monatspakete“ für kostenpflichtige Streamingdienste illegal verkauft. Hierzu wurde eine umfangreiche Serverinfrastrukur aufgebaut und recht professionell betrieben. Um die Pay-TV Sender zu decodieren lief im Zimmer des einen Jugendlichen ein Raspberry Pi mit OSCam und das reichte dann auch schon. Hierauf wurde dann von den sog. „Streamern“ zugegriffen um dann den decodierten Stream an verschieden Streamingserver (Adobe Streaming Server) im Internet weiterzuleiten. Auf diesen haben dann die „Kunden“ zugegriffen und z.B. Fussball geguckt.

Wirklich erschreckend allerdings ist es, wie einfach es möglich ist, eine solche Infrastruktur aufzubauen. Domains im Ausland (Tovalu ist anscheinend das Paradies für solche Unternehmungen), Server in Frankreich, den Niederlanden und Russland, raubkopierte Server-Software und Fachwissen aus öffentlichen Internet-Foren. Die Bezahlung erfolgte mit Offline-Amazongutscheinen und fertig ist das Businessmodell.

Das ganze endete mit Freiheitsstrafen (zur Bewährung) und schmerzhaften Zahlungen an Sky.

Und die Moral von der Geschicht‘? Liebe Eltern: Schauen Sie mal öfter ins Kinderzimmer was das so abgeht, und ja, das sieht alles kompliziert aus! Reden Sie mit Ihren Kindern darüber was so im Cyberspace gerade abgeht. Bilden Sie sich selber fort, nur so können Sie mitreden und schlimmeres verhindern. Oder fragen Sie jemanden mit Ahnung, einen Sachverständigen beispielsweise 😉